Anthroposophische Medizin – integrativ und ganzheitlich


Anthroposophische Medizin ist eine integrative Medizin, die sich aus drei Quellen speist:

1. aus der naturwissenschaftlichen, konventionellen Medizin mit deren diagnostischen und therapeutischen Methoden
2. aus einem ganzheitlichen Natur- und Menschenverständnis
3. aus geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen über Seele und Sein des Menschen.

Alle drei gehören untrennbar zusammen und bilden die Basis der Anthroposophischen Medizin. Leibliches und seelisches Leben bilden gemeinsam mit der Individualität des Menschen eine Einheit, sie beeinflussen sich wechselseitig.

Anthroposophische Medizin ist deshalb auch keine Alternativmedizin, sie will die konventionelle Medizin nicht ersetzen. Anders als diese erfasst sie jedoch nicht nur die Krankheit im Menschen, sondern sie sieht vor allem auch den Menschen in der Krankheit. Sie erfasst ihn als Subjekt in seiner gesamten Persönlichkeit und seinen Lebensbesonderheiten. Denn jeder Mensch ist einzigartig, und jede Behandlung sollte es ebenfalls sein.

Anthroposophische Medizin kennt deshalb keine pauschalen Therapieprogramme. Auch wenn sich Krankheitsbilder ähneln, so bekommt doch jede Krankheit durch den Patienten selbst ihr eigenes Gesicht, das es in Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen gilt. Denn nur eine Medizin, die den Menschen als Individuum betrachtet, ist eine Humanmedizin.

Anthroposophische Medizin beruht vor allem auf drei Elementen:

Anthroposophischen Arzneimitteln, die in erster Linie darauf ausgerichtet sind, die Selbstheilungskräfte im Organismus anzuregen. Sie bringen Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht und stärken die Abwehrkraft. Als Ausgangsstoffe dienen mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Substanzen. Sie werden in speziellen Verfahren arzneilich aufbereitet und zu Tropfen, Pulver, Salben, Tabletten, Globuli oder Flüssigkeiten zur Injektion und Infusion aufbereitet.

Anthroposophischen Therapien wie Kunsttherapien, Rhythmischen Massagen, Mal-, Musik- und Gesangstherapie, Plastizieren, Sprachgestaltung und Heileurythmie.

Anthroposophischer Pflege mit ihren speziellen äußeren Anwendungen (Wickel, Einreibungen, Auflagen).

Anthroposophische Medizin reduziert den Menschen nicht auf eine Krankheit, sondern respektiert ihn als Partner von Ärzten, Therapeuten und Pflegenden, sie bindet ihn aktiv in die Therapie mit ein. In einer Zeit, die immer mehr die Eigenverantwortung und Eigeninitiative des Einzelnen im Gesundheitswesen anmahnt, ist eine Medizin, die diese Aufgabe methodisch ernstnimmt, eine gesellschaftliche Notwendigkeit. In einer Zeit die trotz pluralistischer Gesellschaft verstärkt verallgemeinert, pauschaliert und normiert, ist mehr denn je eine Medizin gefordert, die differenzierte, ganzheitliche Angebote macht und die Individualität des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Eine Medizin, die den Patienten in die Lage versetzt, selbst mit zu entscheiden, welches therapeutische Vorgehen ihm entspricht, um eine Krankheit oder Lebenskrise zu überwinden und als Chance für die weitere eigene Entwicklung zu sehen.

Mit dieser Synthese aus Natur- und Geisteswissenschaft verbindet Anthroposophische Medizin den pathogenetischen – an der Krankheit orientierten – Ansatz der Medizin mit der salutogenetischen – an der Gesundheit ausgerichteten – Sicht. Daraus resultiert ein ganzheitliches Gesundheits-, Krankheits- und Therapieverständnis. Genau das brauchen die Menschen unserer Zeit.